Kulhanek: "Wir müssen eigene Standards setzen!"

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Der Geschäftsführer der Eishockey Akademie OÖ unplugged - über Start und Ziele, den EHV und die NHL!

Es sind jetzt bald vier Monate seit der Eröffnung der Eishockey-Akademie Oberösterreich. Wie zufrieden sind Sie mit dem Start?

Stefan Kulhanek: Ich bin positiv überrascht. Man merkt, dass in den letzten Jahren in Linz im Jugendbereich sehr gut gearbeitet wurde. Bei den Vereinen, von den Trainern und natürlich auch von all jenen, die für die Rahmenbedingungen verantwortlich sind. Wir setzen genau da an, entwickeln weiter und schauen uns an, was es braucht. Ein Anfang ist gemacht und wir sehen jetzt schon, dass es irrsinnig viel Potenzial gibt.

Aller Anfang ist schwer, sagt man. Es hat lange gedauert, bis Linz diese Akademie bekommen hat. Wie wichtig war und ist dieser Schritt?

Kulhanek: Es war höchste Zeit! In den letzten Jahren wurde viel Vorarbeit in diese Richtung geleistet und viel darüber gesprochen. Schön, dass man jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen und diesen Schritt gewagt hat. Ein großer Schritt für den Eishockeysport in Linz und Oberösterreich, vor allem aber ein ganz wichtiger, wenn man in die anderen Bundesländer schaut, die bereits eine Akademie haben.

Apropos Schritte. Was waren die ersten seit dem Start am 1. Oktober?

Kulhanek: Grundsätzlich war es anfangs so, dass Corona auch bei uns das große Thema war. Wir haben viel dafür getan, dass die Jungs überhaupt spielen konnten. Parallel, und weil es natürlich auch damit zusammenhängt, haben wir die medizinische Situation verbessert, mit einem eigenen Arzt, der uns betreut, einer Physiotherapeutin, die sich auch um Prävention kümmert. Und eine Sache war und ist uns ganz wichtig …

Nämlich?

Kulhanek: Die schulische Ausbildung der Spielerinnen und Spieler. Es ist allen in der Akademie ein großes Anliegen, dass wir auch in diesem Bereich Maßstäbe setzen. Ja, es ist wichtig, was auf dem Eis passiert, aber die Schule ist für uns genauso wichtig. Deshalb vertiefen wir auch die Zusammenarbeit mit der Landessportorganisation.

Wie weit fortgeschritten sind die Planungen für eine dritte Akademie-Mannschaft, eine U20?

Kulhanek: Wir arbeiten darauf hin, dass wir die neue Saison auch mit einer U20 starten. Vielleicht ist es für uns eine U19, aber das ist egal. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen von Seiten der Liga passen und wir wissen, welche Mannschaften in Österreich überhaupt spielen wollen. Darüber hinaus möchten wir natürlich mit den Steel Wings zusammenarbeiten und künftig auch mit einem Top-Team in der ICE Hockey League.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der EHV Linz, speziell auch als Perspektive für die jungen Spieler?

Kulhanek: Nicht falsch verstehen, aber wenn ich jetzt die U18 hernehmen, dann ist ein Linzer Verein gar nicht unbedingt so wichtig. Diese Spieler müssen größer denken, sollen in Richtung NHL schauen. Aber für die Kleinen, die jetzt mit dem Eishockey beginnen, braucht es neben einer guten Kooperation mit den Jugend-Klubs in ganz Oberösterreich auch ein starkes A-Team mit einer guten Präsenz. Weil dort spielen die Idole der nächsten und übernächsten Generation.

Sie sprechen die NHL an. Wie realistisch ist es, dass wir in Zukunft einen Spieler aus der Eishockey-Akademie OÖ in der besten Eishockey-Liga der Welt sehen?

Kulhanek: Auf alle Fälle, aber das geht nicht von heute auf morgen. Man hat bei der U20-Weltmeisterschaft gesehen, wo wir stehen. Aktuell sind wir vom Durchschnitt in der A-Gruppe noch sehr weit weg. Es gibt zwar immer wieder Spieler, die es schaffen. Aber das sind meistens Einzelfälle, die nicht aus dem System kommen. Beispiel Marco Rossi. Deshalb müssen wir uns laufend verbessern und eigene Standards setzen. Die DEL zeigt’s vor …

Was genau?

Kulhanek: Da gibt’s 16-Jährige, die in der ersten Mannschaft mitspielen dürfen. Das haben wir in Österreich nicht. Weder in Salzburg noch sonst wo. Aber das ist der erste Schritt, den wir machen müssen. Erst dann können wir darüber nachdenken, wie wir Spieler nach Nordamerika bekommen, wo es dann natürlich auch Möglichkeiten gibt, die wir gar nicht bieten können. Ich denke da nur an die Kombination aus Studium und Eishockey, die es so in ganz Europa nicht gibt.

In Sachen unbegrenzte Möglichkeiten wird hierzulande – egal ob Fußball oder Eishockey – immer Red Bull Salzburg genannt. Was kann man sich dort abschauen?

Kulhanek: Salzburg hat den riesigen Vorteil, dass es finanziell unabhängig ist. Dadurch ist es möglich, dass sie mit ihrer Akademie nicht nur in Österreich sondern in ganz Europa Maßstäbe setzen. Angefangen bei der Infrastruktur über die Ausstattung bis zur Qualität der Trainer. Wir müssen uns mit ihnen messen und nehmen diese Herausforderung gerne an. Mit dem Ziel, dass wir sie in Zukunft unter Druck setzen können und sich so ein Konkurrenzkampf entwickelt, der schlussendlich allen hilft.

Ein wichtiger Baustein sind in diesem Zusammenhang Kooperationen mit den Vereinen in Oberösterreich. Der EHV Linz hat den Anfang gemacht, was ist diesbezüglich noch geplant?

Kulhanek: Die Kooperation mit dem EHV ist für uns in vielerlei Hinsicht sehr positiv. Sie haben von Anfang an klar gemacht, dass sie mit uns zusammenarbeiten wollen, unterstützen die Akademie auch finanziell. Das ist genau das Zeichen, das ich von einer A-Mannschaft erwarte. Leider ist das nur vom EHV gekommen und nicht von den Black Wings. Die haben diesbezüglich eine komplett andere Vorstellung. Und was die Jugend-Klubs in Oberösterreich angeht: Wir möchten alle Vereine unterstützen und mit ihnen zusammenarbeiten. Weil sie sind es, die unsere Spieler von morgen und übermorgen ausbilden.

 

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